Labyrinth Deutschland!?

Lebenssituationen und Alltagserfahrungen Geflüchteter in Deutschland: Bestandsaufnahme und Neuorientierung

Labyrinth Deutschland!?

„Von Verwaltungsvereinfachung und einfacher Sprache können wir doch alle nur profitieren.“ „Danke für den Perspektivwechsel in die Verwaltung. Wir müssen mehr Transparenz zwischen Haupt- und Ehrenamt schaffen. Aber wir Ehrenamtliche sollten uns auch bundesweit vernetzen, um effektive Lobbyarbeit für Geflüchtete betreiben zu können. Unsere Stimme muss politisch Gehör finden.“

So zwei wichtige Ergebnisse des Seminars. Gerade aufgrund der aktuellen Informationen über Abschiebungen nach Afghanistan und sicherlich auch wegen des zeitgleichen Besuchs der Bundeskanzlerin in Würzburg am 23. Januar war es vielen Teilnehmenden ein Anliegen, über öffentlichkeitswirksame Aktionen nachzudenken und nicht „ohnmächtig daneben zu stehen“.

Erstmals kooperierte die Akademie Frankenwarte Würzburg in diesem Seminar mit IDA, dem Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V..

Mit Tina Alicke vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V., Frankfurt/Main befasste sich die Gruppe mit Bedürfnissen von Geflüchteten und den gesellschaftlichen Herausforderungen. „Inklusion anzustreben ist besser als Integration, denn es verkörpert eine andere Werthaltung“ so eine zentrale Botschaft von Alicke. Ein erster Schwerpunkt galt dem Spannungsverhältnis: Gesellschaftlicher Zusammenhalt versus Rassismus und Radikalisierung, welcher sehr umfassend mit Birgit Mair, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung, Nürnberg, und Martin Auer, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Kriminalbeamter Bayern, erörtert wurde. Neben vielen Informationen zu rechten Gruppierungen in Bayern (es wurde auch die FES-Ausstellung: Rechtsradikalismus in Bayern einbezogen) und deren Wirken, stand insbesondere der „institutionalisierte Rassismus“ im Fokus und die Frage, wodurch Radikalisierungstendenzen verstärkt werden. „Ihre Kolleg/innen müssen sich doch einmal in die Lage versetzen, wie das ist, immer bei Kontrollen herausgefischt zu werden oder bei Behörden häufig wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden“, so eine Teilnehmerin an Herrn Auer gewandt.

Für viele der Teilnehmenden, von denen nahezu alle bürgerschaftlich oder hauptamtlich in der Geflüchtetenarbeit engagiert sind, war der Themenblock „Arbeitsmarktintegration als zentraler Schlüssel“ der Hauptbeweggrund für das Kommen. Michael van der Cammen, Bereichsleiter Migration und Geflüchtete der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, stellte die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen klar dar und erläuterte, wie die Behörde neue Wege beschreiten muss und wird. Ergänzt wurde diese Sichtweise um gewerkschaftliche Positionierungen durch Robert Günthner, DGB Bayern, Abteilung Grundsatz und politische Planung. Die Tatsache, dass gerade auf kommunaler Ebene durchaus Handlungsspielräume existieren, wie Boris Kühn, Mitautor der FES-Studie „Kommunale Flüchtlingspolitik in Deutschland“ und Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter der Stadt Mössingen sachkundig darlegte, sei „positiv als auch negativ zu bewerten – je nachdem, wo ich als Geflüchteter gelandet bin!“. Um mehr Sicherheit im Umgang mit Geflüchteten zu erlangen, aber auch, um Hilfsmöglichkeiten für Geflüchtete diesen tatsächlich zukommen lassen zu können, waren die Erfahrungen von Schwester Juliana Seelmann, tätig in der Gemeinschaftsunterkunft, sehr wichtig zum Thema: Traumata und ihre Folgewirkungen.

„Ich sagte in der Vorstellungsrunde, dass ich bislang in diesem Feld noch nicht engagiert bin. Das ändert sich jetzt sicherlich, denn ich wurde ja sofort angesprochen und will mich auch endlich selbst einbringen!“, so eine weitere Stimme am Ende des Seminars. Von den Teilnehmenden besonders wertgeschätzt wurde, dass durch das Seminarteam mit Issam Soukieh stets auch die Geflüchtetenperspektive einbezogen wurde und mit dem Abendprogramm „Willkommen mit Musik“ von Jonas Hermes und Samir Aldalati zusätzliche wichtige Integrationsmöglichkeiten aufgezeigt wurden.

Impressionen aus dem Seminar

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