Deutsche und Polen im Dialog 2018

Was verbinden wir mit Heimat, was mit Nation und Europa?

Fotoquelle: Akademie Frankenwarte

Das 12. Begegnungsseminar: "Deutsche und Polen im Dialog", veranstaltet von Akademie Frankenwarte Würzburg und Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit Oppeln, führte unter der Fragestellung: Was verbinden wir mit Heimat, was mit Nation und Europa? vom 22. bis 28.07.2018 in Wroclaw 18 Multiplikator_innen aus Deutschland und 19 aus Polen zusammen. Gefördert wurde das Projekt mit Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit sowie des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung Warschau.

Die Teilnehmenden schätzten die außergewöhnliche Situation, gemeinsam eine Fülle von wichtigen Themenfeldern diskutieren zu können. Besondere Einblicke in die bewegte Geschichte ermöglichten zudem die Exkursionen nach Oppeln und ins Hirschberger Tal/Riesengebirge. Ein ganz besonderes Moment war für die Gruppe das Gespräch mit Erzbischof Nossol, der die Bedeutung des Friedensgrußes zwischen Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Mazowiecki in der Versöhnungsmesse in Kreisau 1989 für die deutsch-polnischen Beziehungen schilderte. Auch wurde in der Diskussion die aktuelle Flüchtlingspolitik Polens und die Rolle der katholischen Kirche angesprochen. Eine Podiumsrunde mit dem Sejm-Abgeordneten Jazek Swiat (Pis-Partei), dem Wojewodschaftsabgeordneten Jacek Pilawa (PO), zwei Vertreter_innen des Komitees zur Verteidigung der Demokratie KOD und einem Journalisten verdeutlichte, wie gespalten die polnische Gesellschaft derzeit ist und wie schwierig sich der politische Diskurs gestaltet.

Während für alle Teilnehmenden "Heimat" und "Europa" an Bedeutung gewinnen, erachten einige Teilnehmende den Nationenbegriff für "immer stärker unbestimmt". "Für mich ist die Frage: was ist deutsch? eigentlich überflüssig geworden", so eine Teilnehmerin. "Ich habe mir die ganze Woche über durch das Programm Gedanken zu den drei Begriffen gemacht. Für mich sind es keine singulären Begriffe, es sind auch keine Gegensätze, sondern es gibt Mehrfachidentitäten." "Sagt Euren polnischen Landsleuten, dass unsere Europäische Gemeinschaft kulturelle und sprachliche Vielfalt schätzt und fördert. Niemand möchte dem polnischen Volk dies streitig machen", so eine weitere Stimme. "Ich danke unseren deutschen Freunden, dass Ihr uns zur Demo für den Demokratieerhalt in Polen begleitet habt. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment".

Die gute Gruppenatmosphäre haben wir auch Grazyna Wiercimok zu verdanken, die durch ihre Sprachanimationsübungen die Teilnehmenden schnell zusammen führte!

Und noch ein ganz besonderer Höhepunkt: Aus unserer Seminarreihe ist ein kleines Buch entstanden. Angeregt durch das Buch von M. Kneipp, Dt. Poleninstitut: "111 Gründe, Polen zu lieben", hat der Seminarteilnehmer Andrzej Chludzinski (Verleger), 32 Personen zu Wort kommen lassen unter der Themenstellung: "32 Gründe, Deutschland zu lieben". Aus diesem Buch wurden bewegende Momente vorgetragen und von 3 Buchvorstellungen in Polen berichtet. Wir hoffen auf die deutsche Übersetzung im nächsten Jahr.

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