100 Jahre Oktoberrevolution

100 Jahre Oktoberrevolution im Spiegel der deutschen Einheit

Vor 100 Jahren veränderte ein Ereignis die Geschichte Europas und der ganzen Welt grundlegend: die Oktoberrevolution. Mit dem Sturz des Zaren und der Machtübernahme der Bolschewiki in Russland erhielt der Kommunismus Einzug in viele Staaten Europas und der Welt und hatte später auch auf Deutschlands jüngere Geschichte gravierenden Einfluss: die Trennung in BRD und DDR.

Ausgehend von ersten Berührungspunkten mit "Kommunismus" in der eigenen Biografie und den thematischen Schwerpunkten der Plakatausstellung der Stiftung Aufarbeitung "Der Kommunismus in seinem Zeitalter", befasste sich die Gruppe mit dem Erbe des Kommunismus bis heute. Referentin Romy Köhler moderierte mit ihrer historischen und politischen Expertise sowie autobiographischen Erfahrungen der "3. Generation Ost" die komplexe Zeitreise auf sehr kompetente und spannende Art.

Nicht nur die realen Revolutionsführer, auch die philosophischen Grundlagen von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Iljitsch Lenin standen mit dem Philosophen Dr. Florian Stickler im Fokus – und führten letztendlich zur Frage einer Teilnehmerin: "Warum nur konnte der Marxismus nirgends erfolgreich umgesetzt werden, wo doch so viel Wahres in der Theorie steckt?" Die Sicht der Bundesrepublik auf die Sowjetunion, vor allem der Aspekt der Sicherheitspolitik, wurde vom Geschichtsprofessor Prof. Dr. Matthias Stickler veranschaulicht. Romy Köhler erarbeitete die Geschichte der DDR und den Mauerfall zusammen mit den Seminarteilnehmenden anhand deren biografischen Erfahrungen.

Weiterer Höhepunkt: Die Exkursion an die thüringisch-hessische Grenze zum Erinnerungsort Point Alpha. Nach einer Führung durch das Haus auf der Grenze folgte ein bewegender Vortrag von Zeitzeuge Berthold Dücker, der als Jugendlicher aus der DDR geflohen war. Seinem großen Engagement ist es zu verdanken, dass dieser wichtige Erinnerungsort heute existiert. Mit Ricarda Steinbach, Direktorin der Point Alpha Stiftung, bot sich die Gelegenheit, die Gegenwart und Zukunft aus sicherheitspolitischer Perspektive zu diskutieren. Eine weitere Besonderheit an diesem ehemaligen Grenzstreifen: Der Weg der Hoffnung mit 14 Stationen, die zum Innehalten und Nachdenken einladen.

Besonders eindrücklich und informativ wurde in der zweiten Wochenhälfte die gegenwärtige Situation von Russland, den ehemaligen Sowjetrepubliken und China beleuchtet, die alle sehr unterschiedlich ihr sozialistisches Erbe gestalten. Zu diesen Themen waren der Autor und Journalist Moritz Gathmann und der ehemalige Geographieprofessor Prof. Dr. em. Dieter Böhn als Gastredner geladen. Es wurde klar, dass die osteuropäischen, zentralasiatischen und baltischen Staaten ein sehr unterschiedliches Verhältnis zu ihrer jüngeren Vergangenheit haben. Beim Thema Russland wurde unter anderem die Person Putin und seine Methoden des Machterhalts näher betrachtet. Prof. Dr. Böhn gab einen Einblick in die chinesische Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg und der Entwicklung hin zu einer Wirtschaftsmacht.

Die Teilnehmenden schätzten die vielen interessanten Vorträge und Einblicke und es entwickelten sich wichtige Diskussionsrunden zu gegenwärtigen und zukünftigen Fragestellungen: "Das Wissen über Vergangenes ist sehr wichtig, um gegenwärtige Entwicklungen verstehen zu können. Es bleiben aber nach dieser Woche auch viele Fragen. Auch danach, wie denn die beste Demokratie zu gestalten wäre. Wie leben wir unsere Demokratie? Stehen wir am Ende einer Epoche, am Ende bisheriger Modelle?"

(von Katharina Jeßberger, Politologin/BA, Praktikantin in der Akademie Frankenwarte)

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