"Wir wären alle nicht so!"

Was unsere Gesellschaft den 68er-Frauen verdankt.

Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser

Am diesjährigen Frauentag lud das Würzburger Frauenbündnis ein zu einer spannenden Zeitreise in die 68er Zeit.

Das Datum „50 Jahre nach 1968“ bietet Anlass, die Bewegung aus heutiger Sicht zu bewerten. Das Würzburger Frauenbündnis lieferte mit der diesjährigen Veranstaltung am Internationalen Frauentag einen ganz wichtigen Beitrag - ausgehend von folgenden Fragen: Was bewegte eigentlich die 68er-Frauen? Und warum wirkt die 68er-Erzählung so, als hätte es nur Männer gegeben?

Referentin Ruth E. Westerwelle aus Berlin recherchierte viele Jahre und suchte nach den Frauen, die auf Fotos von damals zu sehen sind. Ein langer, nicht einfacher Weg. „Die war nicht wichtig“ oder „Die war doch nur eine Bettmaus“, so einige der abschätzigen Bewertungen, die die 68er-Männer von sich gaben. Doch nicht nur der berühmte Tomatenwurf von Sigrid Rüger am 13. September 1968, dem die wichtige Rede von Helke Sander vorausging, war entscheidend für die kommende 2. Frauenbewegung. Ruth E. Westerwelle portraitierte viele Frauen, die so manches auf den Weg brachten, was uns heute selbstverständlich erscheint. Wer weiß schon, dass Gretchen Dutschke-Klotz die Kommunenidee aus den USA nach Deutschland importierte? Was wäre ohne Buchladenbewegung und den Verlegerinnen Karin Kramer und Marita Schmidt geworden? Gäbe es die heutige Erinnerungskultur, ohne Nazijägerin Beate Klarsfeld? Wer weiß, dass die legendären Plakate der Bewegung von Elke Regehr gefertigt wurden? Und die Kinderladenbewegung - für unsere heutigen Kitas eine wichtige Etappe! Nett, sich auszumalen, wie Mitbegründerin Annette Schwarzenau mit Kindern, Kolleginnen und benutzten Windeln der Sternredaktion einen Besuch abstattet und anschließend mit den Redakteuren über Erziehung diskutiert. Ja, es gab auch Verwerfungen und schlimme Wege ins Extreme. „Mit Schrecken habe ich noch die damalige Gewalt in Erinnerung. Doch wir Frauen wollten etwas verändern, wir spürten eine unglaubliche Kraft, wir wären nicht so, wenn es diese Zeit nicht gegeben hätte“ so der Rückblick einer Würzburgerin, die damals in Erlangen lebte.

Wenn sich etwas in den letzten 50 Jahren zum Positiven verändert hat, dann das Selbstverständnis der Frauen und damit die Gesellschaft als Ganzes, so eine These der Veranstalterinnen, die sich an diesem Abend voll und ganz bestätigte. Eine anwesende Historikerin ist sich sicher: „Geschichte wurde und wird von Männern geschrieben, die sich nicht unbedingt für Frauen interessieren. Deshalb ist es so wichtig, der männlichen Erzählung ein Korrektiv entgegenzuhalten.“ Und dazu war der Internationale Frauentag 2018 in der Akademie Frankenwarte sicherlich ein wichtiger Beitrag, der zum Nachdenken, Recherchieren und Nachlesen von Vergessenem und Verschollenem anregte.

Sehr bekannt dagegen natürlich die Musik von damals, die Horst Porkert vom Würzburger Plattenladen H2O auflegte und so den Abend mit einem Tanzfest enden ließ.

Dem Würzburger Frauenbündnis gehören an:

Akademie Frankenwarte, verdi-Frauen, Arbeitsgemeinschaft Würzburger Frauen und Frauenorganisationen AWF, Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen AsF Stadt und Land, Frauen bei Bündnis 90/Die Grünen, evangelische Dekanatsfrauen, IG Metall, Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft GEW, Deutscher Gewerkschaftsbund DGB, Gleichstellungsstellen Stadt und Landkreis Würzburg

Weitere Informationen:

Zum Flyer ...

Impressionen

Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser
Fotos: Lisa Breitschwerdt und Catharina Crasser

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